Was mit Ihren Daten passiert, wenn Sie sie in ChatGPT laden
Eine öffentliche Bauordnung in ChatGPT zu laden ist harmlos. Bei internen Plänen, Verträgen und Kalkulationen sieht es anders aus.
In unseren Gesprächen mit Architekturbüros taucht ein Muster auf, das so harmlos beginnt, dass kaum jemand zweimal darüber nachdenkt. Eine Bau- und Nutzungsordnung wird in ein Standardwerkzeug wie ChatGPT geladen, und dann stellt man Fragen dazu. Das spart Zeit und funktioniert für einen ersten Überblick. Heikel wird es erst beim nächsten Schritt, wenn nicht mehr ein öffentliches Dokument, sondern Internes ins Spiel kommt.
Die Bauordnung ist nicht das Problem
Eine BNO ist öffentlich zugänglich. Sie hochzuladen verrät niemandem etwas, was er nicht ohnehin auf der Gemeindewebseite finden könnte. Der Punkt, der hier zählt, ist ein anderer und betrifft die Verlässlichkeit der Antwort, nicht den Datenschutz.
Heikel im Sinne des Datenschutzes wird es in dem Moment, in dem etwas Internes ins Spiel kommt. Das muss kein hochgeladenes Dokument sein. Oft steckt die sensible Information schon in der Frage selbst: die Adresse einer noch nicht öffentlichen Parzelle, der Name der Bauherrschaft, die Marge in einer Kalkulation, die Verhandlungsstrategie für eine Einsprache. Wer ein Tool fragt, wie er ein konkretes Projekt am besten angeht, gibt damit Projektinformationen preis, ohne je eine Datei angehängt zu haben. Genau das passiert im Alltag schneller, als man denkt: kurz eine Aktennotiz zusammenfassen lassen, einen Vertragsentwurf glätten, eine Kalkulation durchrechnen.
Das Abonnement hilft, ist aber keine Garantie
Ein Teil des Unterschieds liegt im gewählten Abonnement. Viele Büros nutzen die frei oder günstig zugänglichen Varianten der gängigen Werkzeuge, und in deren Standardtarifen können eingegebene Inhalte zur Weiterentwicklung der Modelle verwendet werden. Was einmal eingegeben wurde, lässt sich nicht zurückholen.
Ein bezahltes oder geschäftliches Abo verbessert die Lage, löst sie aber nicht von selbst. Entscheidend sind die konkreten Vertragsbedingungen, und die unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter und von Tarif zu Tarif. Selbst wenn das Training ausgeschlossen ist, bleiben Fragen offen: Wo werden die Daten verarbeitet, wie lange werden sie gespeichert, und wer kann im Ernstfall darauf zugreifen. Ein Abo abzuschliessen ersetzt nicht den Blick in die Bedingungen.
Für ein Büro berührt das zwei Pflichten zugleich: das eigene Know-how, das man nicht beiläufig aus der Hand geben will, und die Geheimhaltungspflicht gegenüber der Bauherrschaft.
Aus einem Gespräch: "Bei uns ist das ein Ausschlusskriterium. Was eine Bauherrschaft uns anvertraut, gehört nicht in ein Tool, von dem ich nicht weiss, wo die Daten landen."
Wie stark dieser Punkt gewichtet wird, hängt vom Büro ab. In einem Gespräch galt Datenschutz als nachrangig, in einem anderen, einem Büro mit ausgeprägtem internem Know-how, als klares Ausschlusskriterium. Je sensibler die Projekte und je grösser das Büro, desto wichtiger wird die Frage, ob die Daten überhaupt in fremde Hände gelangen und unter welchen Bedingungen sie dort weiterverwendet werden dürfen.
Was wir daraus mitnehmen
Die Trennlinie ist im Grundsatz einfach. Öffentliche Dokumente sind unkritisch. Sobald Internes ins Spiel kommt, ob als Anhang oder als Detail in der Frage, gehört es nur in Werkzeuge, deren Bedingungen man kennt und die zum Schutzbedarf des Projekts passen. Das ist keine einmalige Ja-Nein-Entscheidung über ein Abo, sondern eine Frage, die man sich vor jeder sensiblen Eingabe stellt.
Für uns bedeutet das eine klare Anforderung an das, was wir bauen: Die Herkunft jeder Antwort muss nachvollziehbar sein, und die Daten eines Büros bleiben die Daten dieses Büros.
Wie handhaben Sie das in Ihrem Büro? Schreiben Sie uns.