Normy
Alle Beiträge
BaurechtKünstliche IntelligenzRecherche

Was KI im Baurecht nicht abnimmt: der Graubereich zwischen Norm und Interpretation

Eine KI kann baurechtliche Basisdaten schnell zusammentragen. Die Auslegung unklarer Vorschriften bleibt beim Menschen. Wo die Grenze verläuft.

Pascal MüngerPascal Münger3 Min. Lesezeit

Über KI im Baurecht wird gern in Extremen gesprochen: Entweder löst sie alles, oder sie ist gefährlicher Unsinn. Die Büros, mit denen wir gesprochen haben, sehen das nüchterner. Sie ziehen eine klare Linie zwischen dem, was sich nachschlagen lässt, und dem, was man auslegen muss.

Die Basisdaten — und alles andere

Auf der einen Seite stehen die Basisdaten zu einer Parzelle: Zone, Ziffern, Abstände, Höhen, einschlägige Vorschriften. Das ist Lookup-Arbeit. Sie ist mühsam und zeitraubend, aber im Kern eindeutig — und damit ein guter Fall für ein quellengebundenes Werkzeug.

Auf der anderen Seite steht der Graubereich. Viele baurechtliche Fragen sind nicht als fixe Regel formuliert, sondern lassen Spielraum, der erst durch Auslegung und Praxis gefüllt wird.

Aus einem Gespräch mit der Geschäftsleitung eines Architekturbüros: "Es gibt einen breiten Graubereich mit viel Interpretationsspielraum. Da ziehen wir teils Juristen bei — und auch die können es nicht immer sicher beantworten."

Ein Beispiel: die qualitative Bewertung

Wie wenig sich das automatisieren lässt, zeigt die Arealüberbauung. In manchen Kantonen gibt es dafür einen Bonus auf die Ausnützung, etwa wenn das Projekt eine besondere städtebauliche Qualität erreicht. Ob diese Qualität vorliegt, beurteilt ein Fachgutachter — qualitativ, ohne Punktesystem, das eine Maschine abarbeiten könnte.

Solche Fragen sind genau dort, wo bei einer Machbarkeitsstudie der schwierige Teil steckt. Eine KI, die hier eine scheinbar präzise Antwort vorgaukelt, richtet mehr Schaden an, als sie nützt.

Aus einem Gespräch mit dem KI-Verantwortlichen eines Büros: "Wir können nicht eins zu eins verwenden, was die KI sagt. Genau dort, wo es interessant wird, müssen wir selbst hinschauen."

Warum die Linie wichtig ist

Die Versuchung ist gross, ein Werkzeug grösser zu machen, als es ist. Aber im Baurecht hängt am Ergebnis die Haftung des Büros, und Fehlinterpretationen können teuer werden — im Extremfall ziehen sich Verfahren über Jahre, während die Bauherrschaft auf dem Projekt sitzen bleibt.

Eine KI, die im Zweifel "nicht definiert" sagt statt zu raten, ist deshalb kein Eingeständnis von Schwäche. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass man dem Werkzeug überhaupt trauen kann.

Was wir daraus mitnehmen

Normy ist bewusst auf die Seite der belegbaren Basisdaten gestellt. Es trägt die baurechtlichen Kerninformationen zu einer Parzelle zusammen, bindet jede Aussage an die Quelle und markiert, was in der betreffenden Gemeinde nicht geregelt ist — statt eine Lücke mit einer Vermutung zu füllen.

Den Graubereich, die Auslegung und die qualitative Bewertung überlassen wir Ihnen und gegebenenfalls Ihrem Juristen. Normy ersetzt keine Rechtsberatung. Es soll den eindeutigen Teil schneller machen, damit Sie Ihre Zeit für den Teil haben, der Urteilsvermögen verlangt.


Wo verläuft bei Ihnen die Grenze zwischen Nachschlagen und Auslegen? Schreiben Sie uns — wir hören solchen Beobachtungen gern zu.