Ihre besten Kennwerte liegen in Ihren eigenen Bauabrechnungen
Jedes Büro mit einigen Jahren Praxis besitzt ein Kostenarchiv. Es liegt als PDF im Projektordner statt als Kennwert in der Kalkulation. Was fehlt, ist nicht Wissen, sondern Struktur.
Am Anfang eines Projekts steht eine Zahl, die auf wenig Grundlage beruhen muss. Ein Volumen, eine Nutzung, ein Standort, und daraus eine erste Kostenaussage. Woher der Kennwert stammt, mit dem gerechnet wird, entscheidet mehr über die Qualität dieser Aussage als die Formel dahinter.
In den Gesprächen mit Architekturbüros fällt auf, dass die Quelle für diesen Kennwert selten das eigene Büro ist. Sie ist eine nationale Datenbank, ein Erfahrungswert aus dem Kopf einer Partnerin oder ein altes Excel, das irgendwann jemand angelegt hat und das seither niemand mehr nachführt.
Was Kennwertdatenbanken leisten und was nicht
Es gibt in der Schweiz gute Sammlungen. Die CRB publiziert seit über 35 Jahren Kennwerte, und die Plattform werk-material.online enthält Werte zu über 1'000 dokumentierten Objekten. Anbieter wie keeValue bündeln Daten vieler Büros in einer Datenbank, mit der nach eigenen Angaben über 400 Architekturbüros arbeiten.
Diese Sammlungen beantworten eine bestimmte Frage sehr gut: Was kostet ein Bau dieser Art im Durchschnitt in der Schweiz? Sie beantworten eine andere Frage nicht: Was kostet ein Bau dieser Art, wenn Ihr Büro ihn plant, mit Ihrem Detaillierungsgrad, Ihren Unternehmern und in Ihrer Region?
Ein Durchschnitt über hundert Büros glättet genau die Unterschiede weg, die für die eigene Kalkulation entscheidend sind. Das ist kein Mangel der Datenbanken. Es ist die Eigenschaft eines Durchschnitts.
Das Archiv, das schon da ist
Fast jedes Büro mit zehn Jahren Praxis hat die bessere Quelle im Haus. Sie heisst Schlussabrechnung. Zwanzig, dreissig, vierzig abgerechnete Bauten, jeder mit vollständiger Kostenstruktur nach BKP, im eigenen Standard, mit den eigenen Unternehmern.
Eine Übersichtsstudie zu maschinellem Lernen in der Baukostenprognose aus diesem Jahr hält fest, dass interne Firmenarchive die authentischste Datenbasis darstellen, im Vergleich zu allen öffentlichen Sammlungen. Der Grund, warum sie trotzdem kaum genutzt werden, ist derselbe, den wir in den Gesprächen hören: Vertraulichkeit und Zugänglichkeit. Die Daten liegen als PDF aus Messerli, Sorba oder Provis im Projektordner, jedes in einem anderen Layout, und niemand hat die zwei bis drei Stunden pro Objekt, um sie von Hand in eine Tabelle zu übertragen.
Aus einem Gespräch: "Wir haben das alles. Ich könnte Ihnen für jedes Projekt der letzten fünfzehn Jahre die Abrechnung zeigen. Aber ich könnte Ihnen nicht sagen, was wir im Schnitt pro Kubikmeter gebaut haben."
Was ein Kostenarchiv braucht
Aus einem Stapel Abrechnungen wird kein Kennwert, indem man die Summen abtippt. Es braucht pro Objekt dieselbe Struktur, sonst vergleicht man Verschiedenes:
- Die Positionen einer Kostengliederung zugeordnet, bei uns dem BKP.
- Die Bezugsgrössen dazu: Gebäudevolumen und Flächen, mit Angabe, nach welcher Norm sie gemessen wurden.
- Das Abrechnungsdatum, damit sich Werte auf einen gemeinsamen Preisstand bringen lassen.
- Die Typologie und die Rahmendaten, damit später nur Vergleichbares verglichen wird.
- Der Weg zurück zum Originaldokument, für jede einzelne Zahl.
Wer das für vierzig Objekte von Hand macht, ist ein paar Wochen beschäftigt. Genau hier setzen wir mit dem Kostenrechner in Normy an: Die Abrechnung wird hochgeladen, die Positionen werden erkannt und dem BKP zugeordnet, die Kennwerte pro Typologie entstehen daraus automatisch. Jede Zahl bleibt dabei mit der Zeile in der Originalabrechnung verknüpft.
Was wir daraus mitnehmen
Der Engpass in der frühen Kostenschätzung ist nicht das Fehlen von Daten. Es ist, dass die besten Daten in einem Format vorliegen, mit dem sich nicht rechnen lässt. Sobald das Archiv strukturiert ist, verschiebt sich das Gespräch mit der Bauherrschaft: von einer Zahl aus Erfahrung zu einer Zahl aus sieben eigenen, vergleichbaren Objekten.
Wir bauen den Kostenrechner gemeinsam mit einzelnen Büros auf, jeweils entlang ihrer eigenen Abrechnungen. Wenn Sie Ihr Archiv nutzbar machen möchten, schreiben Sie uns oder melden Sie sich für den Beta-Zugang an.